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Welpentest?

In den letzten Monaten haben mich einige Welpeninteressenten in großes Erstaunen versetzt.

Zum einen sind da die selbsternannten Fachleute, die irgendwann einmal im TV Herrn Rütter bei der Auswahl eines Welpen beobachtet haben, um ihm nun eifrig nachzutun, was bei einem “Experten” wohl als “Welpentest” bezeichnet wird. Bevor ich als Züchter, der ich ganztags mit meinen Babies zusammen unter einem Dach lebe, nach dem Wesen des jeweiligen Welpen gefragt werde, wird der Welpe auf den Rücken gedreht, womit geprüft werden soll, ob es sich um ein dominantes Tier handelt.
Ich frage mich, ob diese Typen gleich noch die neue Wanne in ihr Bad einbauen, weil sie auf ihrem Lieblingssender RTL so eine “Zahlt-nix-wir-kommen-und-renovieren-Euch-Euer-Haus”-Sendung verfolgt haben?

Äußerst interessant finde ich auch die Spezies, die sich damit brüstet, schon seit über 20 Jahren Cocker zu halten. Keine Frage, es ist toll, “echte” Cockerfreunde hier zu haben und gemeinsam über unsere Lieblingsrasse zu fachsimpeln. Aber wenn ich beispielsweise erkläre, wie unsere Welpen gefüttert werden, um bei einer abwinkenden Handbewegung schon fast arrogant angeraunt zu werden, man hätte “20 Jahre Erfahrung”, dann brennt es mir schon ab und an auf der Zunge, daß 20 Jahre etwas zu tun nicht wirklich heißt, es auch richtig zu tun, wobei zudem davon auszugehen ist, daß sich die Anzahl der gehaltenen Hunde bei 20 Jahren Hundehaltung meist auf ganze zwei Hunde beschränkt.
Der Vergleich zu meinem Onkel, der sich stets als “40 Jahre unfallfreier Fahrer” bezeichnete, aber zu dem aufgrund seiner unsicheren Fahrweise niemand ins Auto stieg, liegt dann doch sehr nahe.

Denjenigen, die mir voller Inbrunst erklärten, daß ein Tierarzt seinen Job aus Berufung tut, Hundezüchter aber nur Geld verdienen möchten, denen habe ich besonders gerne die Türe aufgehalten, damit sie mein Heim verlassen!

Bemerkenswert finde ich auch die Leute, die meinen, wir hätten hier einen Zuchtbetrieb, den man sich nach Belieben anschauen könnte. Nach einer kleinen Sonntagstour durch niederbayerische Hundezwinger noch schnell bei den Friedl’s vorbeifahren, um die eingesammelten Krankheitsviren hier zu verteilen? Gott schütze uns vor den Zwingertouris!
Unser Highlight des Jahres war die Familie, die uns beim Verlassen unseres Grundstücks wissen ließ, daß sie gar nicht geplant hätten, einen Welpen zu kaufen, sondern “nur ‘mal einen Sonntagsausflug zum Hundezüchter mit den Kindern haben machen wollen”. Klar, der Besuch im Zoo, Versorgung mit Limonade und Kaffe plus verbaler Unterhaltung wäre sicher teurer gekommen!

Ganz zu schweigen von Personen, die anscheinend schon mit der Boeing durch die Kinderstube geflogen sind. Da werden Termine vereinbart und nicht eingehalten, nicht einmal eine telefonische Absage erfolgt. Da kommt eine vierköpfige Familie, läßt sich hier bewirten und DREI STUNDEN lang über Cocker-Spaniels aufklären, um sich danach nicht mehr zu melden. Da läßt sich der Herr Handwerksmeister einen Hund über Wochen reservieren, um dann festzustellen, daß er nicht den finanziellen Background und die persönlichen Voraussetzungen hat, um dem Welpen ein gutes Zuhause zu geben.

Manche Zeitgenossen verstehen es wirklich ganz hervorragend, einem das eigene Hobby zu vermiesen, sodaß man Züchterkollegen schon verstehen kann, die darüber nachdenken, Eintrittsgeld zu verlangen oder bei einem Fernbleiben trotz Terminabsprache einen Betrag X in Rechnung stellen möchten, ebenso wie Beratungskosten.

Wer nicht weiß, daß wir unsere Besucher in unser Heim einladen, wer nicht seinen vollständigen Namen, Anschrift und Telefonnummer nennen mag, wer unseren Welpen kein zuverlässiges, verantwortungsbewußtes, solventes Zuhause bieten kann, wer hofiert werden möchte, damit er einen Welpen kauft, wer unsere Welpen mittels dubioser Welpentests prüfen will oder unsere erwachsenen Hunde erziehen möchte, der möchte uns bitte mit einem Anruf oder Besuch verschonen!

Diejenigen, die über ein gewisses Maß an Anstand verfügen, die wissen, daß sie bei uns einen verantwortungsbewußt und liebevoll aufgezogenen Welpen aus Hausaufzucht erhalten, der nicht “für lau” abgegeben wird, Leute, die wissen, daß sie, nachdem sie in unser privates Reich eingeladen wurden, gastfreundlich empfangen werden, um unsere Hunde und uns kennenzulernen, die sind herzlich Willkommen! Und auf diese Menschen freuen wir uns.

Hundezucht im Wohngebiet

“Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, weiß und blau!”

Soviel zu Gott und den Bauten in Bayern, besungen in der Bayernhymne.
Falls Sie mit dem Gedanken spielen, in Bayern Hunde züchten zu wollen, dann beschäftigen Sie sich besser einmal mit der Bayerischen Bauordnung, vor allem Art. 53 BayBO und Art. 54 Abs. 2, wo es sinngemäß und so gar nicht göttlich heißt:

Bauaufsichtsbehörden haben bei der Errichtung, Änderung, Nutzungsänderung und Beseitigung sowie bei der Nutzung und Instandhaltung von Anlagen darüber zu wachen, dass die öffentlich-rechtlichen Vorschriften und die auf Grund dieser Vorschriften erlassenen Anordnungen eingehalten werden. Die Bauaufsichtsbehörden können in Wahrnehmung dieser Aufgaben die erforderlichen Maßnahmen treffen.

Allgemeine Wohngebiete dienen vorwiegend dem Wohnen (§ 4 Abs. 1 BauNVO). Dementsprechend sind außer Wohngebäuden nur funktionalbezogene und immissionsverträgliche sonstige Nutzungsarten zulässig.

Den sich aus diesem Rahmen ergebenen Beschränkungen unterliegt auch die Tierhaltung. Die jeweiligen Tiere müssen nach Art, Zahl und Immissionen noch zu einer angemessenen, den berechtigten Wohnerwartungen, Wohngewohnheiten und entsprechenden Wohnnutzung gehören.

Das Halten einzelner Hunde (Hobbytierhaltung) ist in einem allgemeinen Wohngebiet nur dann zulässig, wenn sie gegenüber dem Wohnen als Hauptnutzung räumlich und funktionell von untergeordneter Bedeutung ist und wenn diese dem Wohnen zugeordnet ist.

Nach der Rechtsprechnung ist eine Tierzucht jeglicher Art und eine Haltung von Nutztieren und anderen Tieren in einem allgemeinen Wohngebiet generell unzulässig.

Von Hunden gehen ungleich stärkere Lärmbelästigungen auf Nachbarn aus als von anderen Kleintieren. Hunde zeichnen sich durch lautes Bellen aus. Gleichwohl mag die Haltung eines Hundes im Regelfall von der Nachbarschaft hinzunehmen sein. Denn in diesem Umfang ist Hundehaltung für einen privaten Haushalt durchaus üblich.

Die Haltung von mehr als zwei Hunden dürfte bereits das übliche Maß privater Hundehaltung in allgemeinen Wohngebieten aber regelmäßig überschreiten. Eine Mehrzahl von Hunden auf engem Raum für zu einer Lärmpotenzierung, da sich die Hunde auch gegenseitig “anbellen”. Hinzukommt, dass Hunde erfahrungsgemäß auch mitbellen, wenn ein Artgenosse in ihrer Nähe anschlägt. All dies vollzieht sich nicht nur am Tage, sondern auch während der besonders schutzbedürftigen Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden. Arttypischer Lärm solcher Intensität und Dauer ist den übrigen Wohnnutzern eines allgemeinen Wohngebietes schon regelmäßig nicht zumutbar.

Ergo:

Ein Hundezüchter, der im Wohngebiet Hunde züchtet, tut dies illegal.

Ein Hundehalter, der im Wohngebiet mehr als zwei Hunde hält, tut dies illegal.

Auch interessant zu wissen: Nur weil ein Nachbar nicht gegen die Hundezucht oder Hundehaltung ist, muß dies keine Zustimmung sein. Es kann auch bedeuten, daß er den nachbarschaftlichen Frieden wahren möchte.

Übrigens: Ein Richter des Verwaltungsgerichts München erklärte, daß ausnahmslos jede Zucht von Hunden als gewerblich einzustufen sei.

Also, meine Damen und Herren Züchter im Süden Deutschlands: Wenn Sie in einem allgemeinen Wohngebiet wohnen und demnächst einen “verträumten” Brief vom Bauamt bekommen, mit dem Sie aufgefordert werden, alle bis auf zwei Hunde abzugeben und die Hundezucht einzustellen, dann ist dies leider rechtens.

Ach ja, der liebe Gott hilft dann übrigens auch dem gläubigsten Bayern nicht weiter …

Wurfkiste = Kinderplanschbecken?

Immer häufiger sieht man bei Züchtern die “Wurfkiste light”, ein aufblasbares Kinderplanschbecken, in dem sich die Welpen tummeln. Zugegeben, diese Planschbecken gibt es schon für wenige Euros im Handel und somit sehr viel weniger als beispielsweise eine handgefertigte Wurfkiste aus Holz. Doch wie schaut es mit der Gesundheitsbelastung aus?

Die Planschbecken enthalten Phthalatweichmacher, meist DEHP und DBP – Weichmacher, die das EU-Parlament 2005 in Spielzeug und Babyartikeln generell verboten hat, weil sie als fortpflanzungsgefährdend gelten.
Auch die alternativ eingesetzten Weichmacher DEHT und DINCH lassen sich nicht fest im Kunststoff binden und können somit in die Umwelt gelangen.
Manche Planschbecken enthalten sogar das sehr giftige Dibutylzinn (DBT) oder gar polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), welche u. a. über Atemwege und Haut aufgenommen werden.
(Quelle: Ökotest)

Wir können Welpenkäufern nur raten, darauf zu achten, wie die Welpen beim Züchter aufgezogen werden!

Bei VOLCATIA finden Sie kein solches Plastikteil, denn wir wollen unsere Hunde gesund aufziehen. Unsere Wurfkisten sind auch weiterhin aus Holz, welche mit Öko-Lack versiegelt wurden.

VDH / FCI / Dissidenz

Die F.C.I. ist ein internationaler Dachverband. Innerhalb dieses Verbandes gibt es verschiedene Vereine, wobei pro Land nur ein Verein Mitglied der F.C.I. werden darf. In Deutschland beispielsweise ist dies der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen). Die Zuchtstatuten des VDH müssen denen der F.C.I. entsprechen. Ob sie’s tun, ist streitbar, denn in jedem anderen Land (außer Deutschland) gilt der Grundsatz: Welpen aus Elterntiere mit F.C.I.-Ahnentafel erhalten eine F.C.I.-Ahnentafel.

Doch das ist in Deutschland eben anders. Hier müssen verschiedene Regeln und Bestimmungen eingehalten werden. Die F.C.I. greift hier nicht ein, sondern überläßt alles Handeln dem jeweiligen Verein, in Deutschland also dem VDH. Im Klartext heißt dies: Entweder man unterwirft sich in Deutschland den Bestimmungen des VDH bzw. dessen Vereine oder man bekommt keine F.C.I.-Ahnentafeln für seinen Wurf ausgestellt.

Das alles wäre gar nicht schlimm, wenn der VDH überhaupt ein Zuchtbuch führen würde, wie es andere Länder tun. Doch das Zuchtbuch führt der VDH nur für die Rassen, für welche kein eigener, zuchtbuchführender Verein existiert.

Nehmen wir als Beispiel einen Welpen der Rasse “English Cocker-Spaniel”.

Ein Cocker-Spaniel-Welpe beispielsweise, der in den Niederlanden gezüchtet wird, erhält nicht etwa Papiere des Niederländischen Spanielklubs, sondern er bekommt eine Ahnentafel des Niederländischen Zuchtvereins, dem “Raad van Beheer op Kynologisch Gebied in Nederland”, der wiederum das alleinige niederländische Mitglied in der F.C.I. ist. Und der Pudel, der in den Niederlanden gezüchtet wurde, bekommt ebenso eine Ahnentafel dieses Raad van Beheer. Alle Hunde der F.C.I.-Züchter in den Niederlanden werden also in das Niederländische Hundestammbuch (N.H.S.B.) eingetragen, welches vom Raad van Beherr geführt wird. Die Ahnentafeln werden vom “Raad van Beheer” ausgestellt und nicht vom jeweiligen Klub innerhalb des Raad van Beheer, der die Rasse betreut, also z. B. vom Nederlandse Spaniel Club. Der Nederlandse Spaniel Club vermittelt Züchteradressen, er organisiert Schauen etc. Wer z. B. in diese Züchterliste möchte oder wer seine Welpen über den NSC vermittelt haben möchte, der muß bei den Elterntieren verschiedene, gesundheitliche Prüfungen durchführen bzw. müssen die Elterntiere einen Formwert vorweisen.

Ein Cocker-Spaniel-Welpe, der in Deutschland gezüchtet wird, erhält Papiere eines Vereins, der vom VDH anerkannt ist. Dies kann einer von vielen Vereinen innerhalb des Vereins sein (Jagdspaniel-Klub e.V., Spaniel-Club Deutschland e.V., Cockerclub Deutschland e.V., Verein Jagdgebrauchsspaniel e.V., …), wobei diese Vereine wiederum verschiedene Zuchtbestimmungen haben. Und hier gibt es teilweise große Unterschiede, von Untersuchungen der Elterntiere bis hin zum Mindestalter der Zuchttiere.

Pikant wird es, wenn es um den Einsatz von Deckrüden geht. Was innerhalb der F.C.I. an und für sich klar geregelt ist (Elterntiere müssen F.C.I.-Ahnentafeln haben), ist für VDH-Vereine nicht unbedingt maßgebend. So kann es dann schon ‘mal vorkommen, daß ein Cocker-Spaniel-Züchter im VDH einen in Deutschland im VDH gezüchteten Rüden nicht zur Zucht verwenden darf, weil der Rüde nicht den Zuchtvorgaben seines Vereins entspricht, aber der Züchter darf im Ausland stehende Deckrüden nutzen, sofern diese die Zuchtauflagen des dort zuständigen, die Rasse betreuenden Zuchtvereins erfüllen. Das sind in manchen Ländern … richtig: KEINE Bestimmungen!

Die Problematik ist also die:
Par Definition listet eine Ahnentafel die Ahnen auf.
Eine Ahnentafel hat im Eigentlichen nichts mit der Gesundheit eines Hundes zu tun, sondern ist nur eine Bestätigung dahingehend, WER die Eltern sind. Und genau hieraus ergibt sich die Problematik. Der VDH und seine ihm angeschlossenen Vereine machen die Eintragung von einer Zuchttauglichkeit abhängig und entsprechen so im Eigentlichen nicht der Zuchtordnung der FCI. Diese aber teilte mir auf Anfrage mit, daß sie dies dem VDH überlassen würde. Meines Erachtens eine Farce, denn es kann doch eigentlich nicht sein, daß die FCI Bestimmungen erläßt, der VDH hält sich nicht daran, aber die FCI stört sich daran wiederum nicht. Aber genau hier besteht nun einmal das Schlupfloch für den VDH.

Da frage ich mich: Gibt es Menschen, die in ihr Familienstammbuch gleich auch alle Krankheiten ihrer Vorfahren eintragen? Wohl kaum …
Und bedeutet das Vorgehen des VDH, daß wir in Deutschland gesündere Hunde haben als im Ausland? Davon ist mir nichts bekannt!? Es kann wohl kein Züchter die Behauptung aufstellen, daß Hunde, die in anderen FCI-Ländern gezüchtet werden, kranker sind als die hiesigen.

Und was das ewige Gedöns angeht von wegen “Dissidenz”, dieses Wort, was soviele in den Mund nehmen, aber oft nicht einmal schreiben können (ich mußte schon “Desidenz” lesen usw.), nachfolgend einmal ein paar Erklärungen dazu, damit manche vielleicht endlich einmal wissen, wovon sie überhaupt reden bzw. schreiben.

Dissidenz, von Dissident kommend

Der Begriff Dissident (von lat. dissidere „nicht übereinstimmen, getrennt sein, widersprechen“) bezeichnet einen Abweichler, einen anders Denkenden.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dissident

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Der Begriff der Dissidenz war die längste Zeit reserviert für die Verwahrung gegenüber den ehemaligen Diktaturen des “real existierenden Sozialismus”. Die semantische Besetzung suggerierte, es gäbe in der kapitalistischen “anything goes-Welt” keinen Grund zum Widerspruch, kein Leiden an der Wirklichkeit, keinen Wunsch nach dem Möglichen.
Quelle: http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=474768

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“Dissidenz” ist heute auch die Bezeichnung für Mitglieder von Hundevereinen, die nicht dem VDH angehören. Was also die “ehrwürdigen” Mitglieder des alles beherrschen wollenden VDH’s so abfällig bemerken, ist nichts anderes als eine Bezeichnung aus alten Zeiten, als sich im 3. Reich alle bestehenden Verbände (außer dem “Deutschen Kartell für Hundewesen”, welches in “Reichsverband für das Dt. Hundewesen” umbenannt wurde) aufzulösen hatten und die Gelder beschlagnahmt wurden. Die Verbände, die sich nicht dem Nazi-Regime unterwerfen wollten, waren “Dissidenten”.

Und wem die Geschichte des VDH nicht bekannt ist, dann auch noch gerne das:

Am 26. April 1879 wurde in Hannover der älteste Verband in Deutschland gegründet, die “Delegierten-Commission für das deutsche Hundestammbuch”, die auch ab 1880 jährlich das “Deutsche Hundestammbuch” für alle Rassen herausgab.

Gründungsmitglieder waren:

– Verein zur Veredelung der Hunderassen in Deutschland
– Verein Hector
– Klub zur Prüfung der Hühnerhunde
– Norddeutscher Hetzklub
– Verein Nimrod

Am 16. Juli 1906 wurde ein weiterer Dachverband in Deutschland gegründet: Das “Deutsche Kartell für Hundewesen”, welcher sich in der Zeit bis 1933 als 2. Dachverband in Deutschland etablierte und dessen Zahl der angeschlossenen Vereine größer war als die der Delegierten-Commission.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde das “Deutsche Kartell für Hundewesen” umbenannt in “Reichsverband für das Deutsche Hundewesen”. Alle bislang bestehenden Dachverbände hatten sich aufzulösen und in den Reichsverband einzuordnen, alle Vereine mussten sich fortan “Fachschaften” nennen.

Gegen diesen “Gleichschaltungsbeschluss” rebellierten bzw. widersetzten sich diverse Vereine und wurden recht abfällig als “Dissidenz” bezeichnet und aufgelöst und sogar verboten. Kynologisches Aktenmatieral und Vermögen wurden beschlagnahmt und sicher gestellt.

Während der Nazi-Diktatur wurde der “Reichsverband für das Deutsche Hundewesen” in “Reichsverband für Hundewesen” umbenannt. Ab dem 01.04.1943 hatten alle anderen Zeitschriften ihr Erscheinen einzustellen, statt dessen gab es nur noch die Verbandszeitschrift “Der Hund” vom Reichsverband für Hundewesen.

Mit dem Fall / Untergang des “Dritten Reiches” hatte sich der “Reichsverband für Hundewesen” und alle seine Fachschaften auf alliierten Beschluss hin aufzulösen, Stichtag 1. Januar 1946. Der Reichsverband wurde wieder umbenannt in “Kartell für das Deutsche Hundewesen” und noch vor der Gründung eines neuen deutschen Staates wurde am 11. Juni 1949 in der amerikanischen Besatzungszone in München der “Verband für das Deutsche Hundewesen” (VDH) gegründet.

Der VDH behauptet von sich selbst, daß er bereits im Jahre 1906 gegründet wurde, was man (in Hinblick auf die Mitwirkung beim Verbot der anderen Vereine) nicht unbedingt als rühmlich betrachten muß, aber sei’s drum …

BRV – Bayerischer Rassehunde Verband e.V.

Der BRV (Bayerischer Rassehunde Verband e.V.) war mir schon suspekt, als ich dort einmal eine Ausstellung besuchte. Ich wollte zwei Hündinnen melden, eine in der Zuchtklasse, eine in der Offenen Klasse. Nach der Zahlung des Betrages bekam ich die Meldescheine. Als ich den einen ausgefüllt retour gab und nach der Zwischenklasse fragte, wurde mir gesagt, daß es die nicht gäbe. Ich meinte, daß ich dann nur eine Hündin melden wollte und gab der Dame an der Kasse den einen (unausgefüllten) Meldeschein wieder. Aber wer nun meint, ich hätte unkompliziert mein Meldegeld wieder bekommen, der irrt! Erst nach einer langen Diskussion und nachdem ich doch recht laut erklärte, daß ich nicht für einen Hund zahle, den ich weder melde noch ausstelle, gab man mir mein Geld retour.
Seltsames Gehabe, ebenso wie die Tatsache, daß weder Ahnentafeln kontrolliert wurden noch die Impfausweise. Ich stand sicher schon weit über 100 mal im Ausstellungsring, aber so etwas hatte ich bis dato noch nicht erlebt.

Als ich vor einiger Zeit wieder eine Einladung zu einer Ausstellung in meinem Postfach fand, besuchte ich die Homepage des BRV und staunte nicht schlecht, als ich dort las, daß dieser nun Mitglied der F.C.I. sei.

Ein Blick auf die Homepage der mir bekannten FCI in Belgien (fci.be) brachte lediglich den Hinweis, daß die FCI die F.C.I. nicht anerkennen würde. Also doch zwei Vereine.

Google brachte mich zur F.C.I., einem spanischen Klub mit Homepage in … richtig! … spanisch! Was veranlaßt einen bayerischen Verein, sich plötzlich einem spanischen Verband anzuschließen? Besonders interessante Zuchtbestimmungen? Attraktive Ausstellungen? Oder ist es vielleicht doch dieses Kürzel “F.C.I.”? Ein Schelm, wer Böses denkt …

Und bei einem Blick ins Forum des BRV wurde es noch ärger: Da erklärt der Webmaster einem (unbedarften) Mitglied, daß die Hunde mit BRV-Papieren nun auf Ausstellungen der F.C.I. ausgestellt werden können. Wunderbar – solange man nicht die Hintergründe kennt: Einmal gibt es die FCI, einmal die F.C.I. und nur aufgrund dieser Schreibweise kann man zunächst beide voneinander unterscheiden. Der unbedarfte Hundeliebhaber und -aussteller zumindest wird den Unterschied wohl kaum bemerken. Noch schlimmer: Die Vorstandschaft des BRV nimmt m. E. wissentlich in Kauf, daß seine Mitglieder unwissend ihren Hund mit BRV-Papieren auf einer FCI-Ausstellung präsentieren wollen, doch sie werden dort gar nicht zugelassen. Ein Hund ohne FCI-Papiere kann nur für eine Übernahme in das jeweilige (landesabhängige) Zuchtbuch auf einer Ausstellung gezeigt werden.

Das alles wird besonders dadurch pikant, daß im Forum des BRV eine Wortsperre installiert wurde.
Stellt nun jemand eine Frage zur “FCI”, wird dies also nach dem Absenden des Beitrags in “F.C.I.” umgewandelt.

Im Forum wurde nun folgende Frage gestellt: “Hallo, bin noch sehr neu hier und habe da eine Frage. Kann ich denn einen Hund mit Papieren des BRV oder Papiere anderen Vereinen die der F.C.I. angehören auch bei Ausstellungen der F.C.I. ausstellen?”

Auch wenn jemand neu ist: Wird derjenige wirklich danach fragen, ob er einen Hund mit Papieren vom ABC-Verein beim ABC-Verein ausstellen kann? Oder wollte derjenige vielleicht fragen, ob der einen Hund mit Papieren vom ABC-Verein beim XYZ-Verein ausstellen kann, aber die Wortsperre hat seine Frage so umgewandelt, daß ein ganz anderer Sinn entsteht?

Ich weiß es nicht und ich will niemandem etwas unterstellen, aber der Verdacht liegt nahe. Deshalb wollte ich den Ausstellungs-Neuling über die Besonderheiten informieren und antwortete:

“Das kommt darauf an, bei welcher FCI, denn da gibt es verschiedene.
Zum einen die “Federation Cynologique Internationale” mit Sitz in Belgien (www.fci.be), zum anderen die “Federacion Canina Internacional” (www.webfci.org), der auch der BRV e.V. angehört.

Die “Federation Cynologique Internationale” erkennt die “Federacion Canina Internacional” nicht an. Somit können Hunde mit BRV-Ahnentafel bzw. mit Ahnentafeln der “Federacion Canina Internacional” nicht auf Ausstellungen der “Federation Cynologique Internationale” ausgestellt werden.

Die “Federation Cynologique Internationale” hat ihren Sitz in Belgien und wird in den einzelnen Ländern durch jeweils einen Verein vertreten. In Deutschland ist das beispielsweise der Verband für das Dt. Hundewesen e. V. (VDH), in Österreich der ÖKV, in der Schweiz die SKG usw. Für Ausstellungen der VDH-Vereine herrscht Titelschutz der “Federation Cynologique Internationale”, was wiederum bedeutet, daß Hunde mit Ahnentafeln, die von der “Federation Cynologique Internationale” nicht anerkannt sind, dort auch nicht ausgestellt werden können.

Die “Federacion Canina Internacional” hat bis vor einige Zeit das Logo verwendet, welches von der “Federation Cynologique Internationale” markenrechtlich geschützt ist, wie man schon zu Zeiten der “Delegierten-Commission” festgestellt hat, als die Verwendung des Logos kostenpflichtig abgemahnt wurde.
Außerdem hat dieser Verein eine ganze Zeit lang zu den Homepageinhalten der “Federation Cynologique Internationale” verlinkt, weshalb der negative Eindruck entstand, es würde sich um sogenannte “Trittbrettfahrerei” handeln.
Nun gut, die Verlinkungen sind weg, das Logo ist weg. Man kann sich denken, weshalb das so ist.

Dafür hat sich die “Federacion Canina Internacional” den Begriff “F. C. I.” rechtlich schützen lassen, sodaß die “Federation Cynologique Internationale” sich jetzt wohl nur noch “FCI” abkürzt.

Ergo: Hunde mit F.C.I.-Ahnentafeln sind nicht gleich Hunde mit FCI-Ahnentafeln.

Meine Meinung: Man sollte sich nicht an Namen von großen Verbänden aufhängen, sondern eine eigene Zucht sauber aufbauen, unabhängig von Vereinsmeiereien. Wer heute auf seine Homepage schreibt, er züchtet nach den Reglements und Standards der FCI , der sollte auch dem Verein angehören, den er meint. Alles andere ist m. E. gewollte Irreführung Unwissender, die in irgendeinem Forum gelesen haben, sie sollten beim Hundekauf darauf achten, einen Hund aus FCI-Zucht erwerben.

Viele Grüße
Brigitte

Nachtrag:
Im Forum wurde vom Admin offensichtlich eine Wortsperre vergeben.
Die Links werden leider falsch dargestellt, da das Wort ” FCI ” hier im Forum automatisch mit Punkten versehen wird.
Außerdem kann man z. B. VDH nicht ausschreiben, das wird zum Wort “Hund”
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Viele Grüße
Brigitte
& die Volcatia Cocker-Spaniels

Für meine Meinung wurde ich im Forum gesperrt und mein Beitrag wurde gelöscht. So etwas nennt man landläufig auch “Zensur” und ist für mich die Bestätigung, daß ich ins Schwarze getroffen habe. Auf meine E-Mail-Anfrage, weshalb mein Account gelöscht wurde, erhielt ich einen Anruf von Seiten des BRV. Man erklärte mir, man wolle “keine Diskussionen über die FCI und den VDH” im Forum und so hätten alle Moderatoren die Anweisung, die entsprechenden Beiträge zu löschen. Ich wurde noch darüber aufgeklärt, daß man die Geschichte der FCI (oder meinte er F.C.I.? Keine Ahnung, denn die Punkte spricht man ja nicht) neu schreiben würde usw.
Nun ja, seit ich die Ära eines Vereins miterlebte, wo man sich einbildete, man müsse sich das FCI-Logo aneignen, ist mir nichts Menschliches mehr unbekannt. Schließlich wurde später seitens des Patentamtes “Böswilligkeit bei der Markenanmeldung” festgestellt (vgl. Rundschreiben 4/2006 des VDH an seine Mitgliedsvereine).

Auf der Homepage des BRV heißt es: ” … Aus diesem Grund gibt es den BRV, kommen Sie zu uns. Wir bewerten den Hund. Denn der zählt bei uns, egal ob und welche Ahnentafel er hat. Unsere Aufgabe ist es jedem Hundefreund und jeder Rasse soweit es nur geht gerecht zu werden. Ihr Bayerischer Rassehunde Verband e.V.“.

Aha. Der Hund zählt also. Na, wenigstens etwas.

Ich habe das Verhalten des BRV zur Kenntnis genommen und werde dort sicher nicht mehr ausstellen.