Hundezucht im Wohngebiet

“Gott mit dir, du Land der Bayern,
deutsche Erde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen
ruhe Seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren,
schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben
Seines Himmels, weiß und blau!”

Soviel zu Gott und den Bauten in Bayern, besungen in der Bayernhymne.
Falls Sie mit dem Gedanken spielen, in Bayern Hunde züchten zu wollen, dann beschäftigen Sie sich besser einmal mit der Bayerischen Bauordnung, vor allem Art. 53 BayBO und Art. 54 Abs. 2, wo es sinngemäß und so gar nicht göttlich heißt:

Bauaufsichtsbehörden haben bei der Errichtung, Änderung, Nutzungsänderung und Beseitigung sowie bei der Nutzung und Instandhaltung von Anlagen darüber zu wachen, dass die öffentlich-rechtlichen Vorschriften und die auf Grund dieser Vorschriften erlassenen Anordnungen eingehalten werden. Die Bauaufsichtsbehörden können in Wahrnehmung dieser Aufgaben die erforderlichen Maßnahmen treffen.

Allgemeine Wohngebiete dienen vorwiegend dem Wohnen (§ 4 Abs. 1 BauNVO). Dementsprechend sind außer Wohngebäuden nur funktionalbezogene und immissionsverträgliche sonstige Nutzungsarten zulässig.

Den sich aus diesem Rahmen ergebenen Beschränkungen unterliegt auch die Tierhaltung. Die jeweiligen Tiere müssen nach Art, Zahl und Immissionen noch zu einer angemessenen, den berechtigten Wohnerwartungen, Wohngewohnheiten und entsprechenden Wohnnutzung gehören.

Das Halten einzelner Hunde (Hobbytierhaltung) ist in einem allgemeinen Wohngebiet nur dann zulässig, wenn sie gegenüber dem Wohnen als Hauptnutzung räumlich und funktionell von untergeordneter Bedeutung ist und wenn diese dem Wohnen zugeordnet ist.

Nach der Rechtsprechnung ist eine Tierzucht jeglicher Art und eine Haltung von Nutztieren und anderen Tieren in einem allgemeinen Wohngebiet generell unzulässig.

Von Hunden gehen ungleich stärkere Lärmbelästigungen auf Nachbarn aus als von anderen Kleintieren. Hunde zeichnen sich durch lautes Bellen aus. Gleichwohl mag die Haltung eines Hundes im Regelfall von der Nachbarschaft hinzunehmen sein. Denn in diesem Umfang ist Hundehaltung für einen privaten Haushalt durchaus üblich.

Die Haltung von mehr als zwei Hunden dürfte bereits das übliche Maß privater Hundehaltung in allgemeinen Wohngebieten aber regelmäßig überschreiten. Eine Mehrzahl von Hunden auf engem Raum für zu einer Lärmpotenzierung, da sich die Hunde auch gegenseitig “anbellen”. Hinzukommt, dass Hunde erfahrungsgemäß auch mitbellen, wenn ein Artgenosse in ihrer Nähe anschlägt. All dies vollzieht sich nicht nur am Tage, sondern auch während der besonders schutzbedürftigen Abend-, Nacht- und frühen Morgenstunden. Arttypischer Lärm solcher Intensität und Dauer ist den übrigen Wohnnutzern eines allgemeinen Wohngebietes schon regelmäßig nicht zumutbar.

Ergo:

Ein Hundezüchter, der im Wohngebiet Hunde züchtet, tut dies illegal.

Ein Hundehalter, der im Wohngebiet mehr als zwei Hunde hält, tut dies illegal.

Auch interessant zu wissen: Nur weil ein Nachbar nicht gegen die Hundezucht oder Hundehaltung ist, muß dies keine Zustimmung sein. Es kann auch bedeuten, daß er den nachbarschaftlichen Frieden wahren möchte.

Übrigens: Ein Richter des Verwaltungsgerichts München erklärte, daß ausnahmslos jede Zucht von Hunden als gewerblich einzustufen sei.

Also, meine Damen und Herren Züchter im Süden Deutschlands: Wenn Sie in einem allgemeinen Wohngebiet wohnen und demnächst einen “verträumten” Brief vom Bauamt bekommen, mit dem Sie aufgefordert werden, alle bis auf zwei Hunde abzugeben und die Hundezucht einzustellen, dann ist dies leider rechtens.

Ach ja, der liebe Gott hilft dann übrigens auch dem gläubigsten Bayern nicht weiter …