Kann man mit Hundezucht Geld verdienen?

Immer wieder werden wir als Züchter mit Aussagen konfrontiert, die darauf abzielen, daß man sich als Hundezüchter auf Kosten der Tiere bereichern wollte. Ich möchte versuchen, etwas Licht ins Dunkle zu bringen, damit Welpenkäufer vielleicht zukünftig auch etwas aufmerksamer bei der Suche nach einem Welpen vorgehen.

Ja, man kann mit Hundezucht Geld verdienen.

Solange es der Züchter ordentlich tut, ist dagegen auch nichts zu sagen. Warum sollte es verwerflich sein, wenn jemand sich seinen Lebensunterhalt sichert, wenn er die Zucht professionell betreibt? Ich persönlich sehe darin nichts Schlimmes, vorausgesetzt, es geht den Hunden gut und es werden tierschutzrechtliche und steuerliche Grundsätze beachtet. Und damit meine ich, daß man Hunde nicht in Zwingern, Hundehäusern, im Keller und in Nebengebäuden unterbringt, sondern daß man dafür Sorge trägt, daß sie mit ihren Menschen zusammenleben, daß sie ordentlich gepflegt und ernährt werden, daß sie sich frei bewegen können und ein lebenswertes Leben führen. Ein Leben in Saus und Braus wird sich dieser Züchter eh‘ nicht gönnen können, da die Einkünfte aus der Zucht zu versteuern sind – was gerade bei nicht-professionellen Züchtern gerne einmal verkannt wird!

Kommt bei diesem professionell tätigen Hundezüchter noch hinzu, daß er seine „ausgedienten“ Zuchthündinnen im Alter behält und nicht nach dem Motto „Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr muß weg“ verfährt, dann wird unter dem Strich kein Geld übrig bleiben.

Rechenexempel gefällig? Pro Monat kostet ein Hund ca. 100 Euro. Das kann bei einem Welpen weniger sein, doch alte Hunde kosten bekanntermaßen mehr, da hier oftmals die Tierarztkosten zu Buche schlagen.

Wir unterhalten derzeit 18 Hunde plus drei weitere, die in Pflegefamilien leben, welche uns monatlich mindestens 2.000 Euro kosten. Nicht eingerechnet ist der Zweitwagen inkl. laufender Unterhaltskosten, den es eigentlich nicht bräuchte, wenn nicht laufend irgendwelche Fahrten wegen der Hunde zu bewältigen wären. Nicht eingerechnet sind jegliche Kosten für die Aufzucht von Welpen. Nicht eingerechnet sind Dinge wie der PC, der regelmäßig den Geist aufgibt, weil er im Kampf gegen den Staub, welcher in Unmengen von den Hunden ins Haus getragen wird, unterliegt. Und, ganz ehrlich, wenn ich nicht züchten würde, dann bräuchte ich kein Haus in Alleinlage, welches vor den Toren unserer schönen Landeshauptstadt nicht gerade zum Schnäppchenpreis zu bekommen ist.

Die reinen Aufzuchtkosten für einen Welpen belaufen sich – Futter, Kauartikel, Tierarztkosten, Medikamente, Eintragungskosten, Erstausstattung, Kosten für Wäsche, Wasser, Strom,  Bewirtung der Welpeninteressenten, Spielzeug, Toiletteneinstreu, Einmal-Einlagen für die Wurfbox, Müllentsorgung, Umlage für Wurfbox, Welpenausläufe, Decken, Spielzeug etc. – auf ca. 1.200 Euro pro Welpe.

Nicht eingerechnet ist das Servicepaket, welches wir unseren Welpenkäufern bieten und welches einen Wert von ca. 500 Euro hat.

Wir können hier natürlich nur von uns sprechen. Wie es Züchter bewerkstelligen, ihre Hunde für unter 1.000 Euro abzugeben, können wir nicht nachvollziehen. Natürlich liegt die Vermutung nahe, daß an vielem gespart wurde.

Fakt ist, daß wir einen Verkaufspreis von jenseits der 2.000 Euro hätten, wenn wir ALLE Kosten unserer gesamten Kosten, welche in unserer Zuchtstätte anfallen, auf die vergleichsweise wenigen Welpen umlegen würden. Um auf dem „Markt“ bestehen zu können, kann man diesen Preis als Züchter für einen Cocker-Spaniel nicht erzielen. Ergo schreiben wir jedes Jahr rote Zahlen.

 

Woher kommen nun die Preisdifferenzen von Züchter zu Züchter?

Es ist immer möglich, etwas billiger „herzustellen“, z. B. durch

Verzicht auf Untersuchungen und Gentests

Sparen bei der Aufzucht, z. B. durch …

… Fütterung von billigem Trockenfutter statt Fleisch, Gemüse & Obst

… Zeitungspapier und/oder Sägemehl im Auslauf statt Welpentoilette mit spezieller Einstreu und Decken, die täglich gewaschen werden müssen

… Verzicht auf Spielzeug und Kauartikel

… Ablehnung wiederholter Besuche der zukünftigen Welpeneltern

Verkaufen von Hündinnen und Rüden zum regulären Preis und vorübergehende Wiederaufnahme in die Zuchtstätte zu holen, um mit ihnen zu züchten

Fehlende Nachversorgung der Welpenkäufer

Abgabe der Hunde, die nicht mehr zur Zucht verwendet werden

usw.

Alles das geht auf Kosten der Hunde, denn einer muß es immer ausbaden, sobald kommerzielle Aspekte im Vordergrund stehen. Davon betroffen sind jedoch weniger die Hunde vom/beim Züchter, sondern die “Ware Hund”, wie sie von Hundehändlern angeboten wird.

Ein Hundehändler kauft meist im großen Stil in osteuropäischen Ländern aus Vermehrungsfabriken im großen Stil Welpen.

Einkaufspreis: 15 Euro pro Stück – Verkaufspreis: ab 150 Euro pro Stück

Die Problematik der Händlerhunde und Billigwelpen sollte jedem bekannt sein, der Zeitung liest oder sich im Internet bewegt …