“… nur einmal Welpen …”

„Wir möchten nur einmal Welpen … es tut der Hündin gut … meine Kinder sollen die Möglichkeit haben, die Aufzucht von Welpen zu erleben … Wir möchten nicht professionell züchten, nur zum Hobby, wir sind ja keine Vermehrer … wir brauchen keine Papiere … der Tierarzt hat sich unsere Hündin angeschaut und meinte, daß sie gesund wäre …“  

Es gibt viele Gründe, weshalb Menschen auf die Idee kommen, plötzlich unter die Züchter gehen zu wollen.

Ich verstehe die Intention von Eltern, ihr Kind an einem natürlichen Prozess, als welcher die Geburt angesehen wird, teilhaben zu lassen. Zu diesem Prozess gehört allerdings auch der Tod, weil Geburt und Welpenaufzucht eben kein Selbstläufer sind. Inwieweit jemand sein Kind dem Risiko aussetzen möchte, diese Erfahrung zu machen, wenn tote Welpen geboren werden, wenn Welpen aufgrund eines Unfalls oder aufgrund einer Infektion sterben oder wenn die Mutterhündin aufgrund von Geburtsschwierigkeiten etc. verstirbt, liegt nicht in meiner Verantwortung.

Wenn ich Kinder hätte, würde ich nicht züchten. Um meine Kinder an das “Wunder der Geburt” heranzuführen, würde es keiner Belegung meiner Hündin bedürfen. Und was die weniger schönen Vorkommnisse von Welpenaufzucht betrifft: Es gibt m. E. andere Vorgehensweisen, Kinder auf den Tod vorzubereiten bzw. sie mit selbigem zu konfrontieren und es gibt sinnvollere Freizeitbeschäftigungen, die man mit seinen Kindern ausleben kann.

Außerdem hätte ich vermutlich gar keine Zeit für eine ordentliche Hundezucht, denn Fakt ist nun einmal, daß irgendjemand oder irgendetwas immer leidet, wenn in der Familie gezüchtet wird. Wenn ich an all‘ die durchwachten Nächte denke, die ich vor und nach den Geburten erlebt habe, wenn ich an den Zeitaufwand denke und weiß, daß Welpenaufzucht gerne auch ‚mal ein 24-Stunden-Job ist, dann verstehe ich nicht, wie berufstätige Eltern sich dieses Leben vorstellen?

Einer Hündin zumindest, welche niemals Mutter“freuden“ zuteil werden, fehlt gar nichts, sie kann getrost auf Welpen verzichten. Es hat auch keine gesundheitlichen Vorteile, wenn eine Hündin Welpen aufzieht. Das Brustkrebsrisiko oder das Risiko einer Gebärmuttervereiterung ist nicht vermindert. Eher ist das Gegenteil der Fall, denn eine Infektion der Gebärmutter z. B. aufgrund einer verbliebenen Nachgeburt kann tödlich sein.

 

Ist der Nicht-Profi wirklich der „bessere“ Züchter?

„Hundezüchter“ ist kein Ausbildungsberuf, aber ich für meinen Teil erwarte von jedem, der sich mit dem Gedanken der Zucht trägt, daß er sich vorab Wissen und Können aneignet.
Warum dies von manchen Hundebesitzern, die sich mit dem Gedanken tragen, züchten zu wollen, nicht so gesehen wird, kann ich nicht nachvollziehen. Wenn ich zum Friseur gehe, erwarte ich, daß ich von einer ausgebildeten Friseuse die Haare geschnitten bekomme. Gehe ich zum Bäcker, erwarte ich von der Bäckereifachverkäuferin (ein Beruf mit dreijähriger Ausbildung) eine ordentliche Bedienung.

In Sachen Zucht allerdings setzt so mancher auf die “Natürlichkeit” und ist sich sicher, daß ausgerechnet bei ihm alles gut geht … und für den Notfall gibt es ja einen Tierarzt an jeder dritten Hausecke, der „es schon richten wird“.

Dieses „Christopherus-Denken“ ist mir als Berater von Züchtern wohlbekannt, aber die Fakten sprechen eine andere Sprache, denn meiner persönlichen Erfahrung nach kommt es gerade bei nicht-professionellen Züchtern häufiger zu Komplikationen, welche vermeidbar gewesen wären, hätte der Züchter sich vorher entsprechendes Wissen angeeignet. Zeichnet sich der Züchter jedoch durch Nicht-Wissen aus und kommt dann in der Notfallsituation ein unfähiger Tierarzt dazu, dann wird es zum Selbstläufer in Sachen „leidige Erfahrung“. Ich denke hier mit Grausen an einen Vorfall vor einigen Jahren, als aufgrund von Pfusch bei der Narkose für einen nötigen Kaiserschnitt einer Züchterfreundin sechs tote Welpen beschert wurden. Wobei diese Züchterin absolut richtig gehandelt hatte und frühzeitig den Tierarzt informierte, weil die Geburt stockte …

Bevor ich mich an den ersten Wurf gewagt habe, hatte ich einige Geburten bei befreundeten Züchtern miterleben dürfen, ich habe Dutzende von Praktika gemacht bei Züchtern, habe beim Tierarzt gearbeitet, hatte und habe langjährige, erfahrene Züchter an meiner Seite. Ich möchte diese Erfahrungen nicht missen, denn wenn ich etwas weiß, dann das, daß bei einer Geburt einiges gehörig schief laufen kann!

In knapp zwanzig Jahren Zucht hatten wir „erst“ einmalig die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts, doch das hätte fast unserem Sophiechen das Leben gekostet, weil es unsere damalige Tierärztin vorgezogen hatte, den Sonntagmorgen lieber mit ihren Kindern im Bett zu verbringen.

Ich weiß, daß ich bei jedem Wurf “Gott” spiele und das Leben meiner Hündin auf’s Spiel setze. Bevor eine Hündin belegt wird, wird hier soviel unternommen, daß nichts mehr als Zufall gelten kann. Vom Bluttest der Mutterhündin über Abklärung dahingehend, ob unsere Tierärzte nicht gerade in Urlaub weilen.

Bevor jedoch überhaupt an „Zucht“ zu denken ist, müssen die Auflagen des Zuchtvereins erfüllt werden. Dazu gehören allerhand Untersuchungen, die durchzuführen sind, denn nur das tierärztliche Attest, welches eine gute Gesundheit bescheinigt, oder die Tatsache, daß die zukünftige Mutterhündin entwurmt und geimpft ist, reichen bei Weitem nicht aus, um zu gewährleisten, daß man auch gesunde Welpen in diese Welt setzt.

Und da komme ich auch schon auf den nächsten Punkt zu sprechen, die Gewährleistung. Es gibt viele Zeitgenossen, die sich ihr „Hobby“ schönreden und meinen, sie müßten keine Gewährleistung auf den von ihnen gezüchteten Welpen geben. Dazu empfehle ich angehenden Züchtern, sich vorab einmal mit einem Rechtsanwalt zu unterhalten, der sich zusätzlich auch noch mit Baurecht und Steuerrecht auskennt. Auf die Problematik „Baurecht“ bin ich schon an anderer Stelle in diesem Blog eingegangen.

Ich weiß heute, was es heißt, einen kompletten Wurf mit der Flasche aufzuziehen. Ich danke meinem Mann, der sich zu dieser Zeit kurzerhand Urlaub nahm, um mich in Sachen Haushalt und Versorgung der anderen Hunde zu unterstützen. Nicht jeder Lebenspartner würde sich diese Unterstützung zur Pflicht machen.

Ich weiß heute, wie schnell Hunderte von Euros vom Bankkonto verschwinden, weil in Sachen Hundezucht etwas nicht wie geplant verlief.

Ich weiß, wie es sich anfühlt, bei sieben Welpen täglich pro Welpe fünf Häufchen wegzuräumen, von einem Alter zwischen drei bis 12 Wochen.

Ich weiß, wie es sich anfühlt, Sorgenkinder aufzuziehen und manchmal einen Kampf zu verlieren. Ich weiß, wie es ist, wenn man nach geeigneten Adoptiveltern für die Welpen sucht und mit jedem Baby ein Stück seines Herzens aus dem Haus ziehen läßt.

Ich kenne das Gefühl, an den Sorgen und Nöten meiner Welpenkäufer teilzuhaben. Und wenn’s einmal nicht so klappt wie vorgesehen, darf jeder Hund zu uns retour kommen.

Und ich frage mich, ob sich wirklich jeder Mensch, der züchten möchte, dieser Fakten bewußt ist?

 

Zusammenfassend möchte ich behaupten, daß zuviele Menschen reichlich „blauäugig“ mit ihrer Hündin züchten möchten.

Es muß nichts passieren und ich wünsche jedem Menschen nur das Allerbeste, aber es kann sehr viel passieren.

Ich für meinen Teil habe zuviel Negatives erlebt, ich habe in zuviele traurige Kinderaugen geblickt, als daß ich nochmals in die Versuchung käme, jemandem eine Hündin anzuvertrauen, der „‘mal züchten möchte“.

 

Warum Hunde aus unserer Zucht ohne Zuchtoption verkauft werden?

Unsere Hunde stammen aus einer über Jahre hinweg sorgsam und kostenintensiv aufgebauten Blutlinie. Trotzdem gibt es andere Blutlinien, die genetisch nicht zu unseren passen und welche wir, da wir über das Wissen über Blutlinien, Verwandtschaftsgrad, Genetik, Gesundheit etc. verfügen, niemals einkreuzen würden. Wenn nun mit einem Hund aus unserer Zucht gezüchtet wird, ohne daß auf so wichtige Dinge wie die oben genannten geachtet wird, dann könnte dies züchterische Mängel zutage führen, welche unserer Zuchtstätte angelastet werden.

Wenn ehemalige Welpenkäufer an uns herantreten, weil sie mit ihrem Hund züchten möchten, dann unterstützen wir sie bei ihrem Vorhaben selbstverständlich mit all‘ unserem Wissen und Können, sofern die Voraussetzungen zur Zucht gegeben sind.