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VDH / FCI / Dissidenz

Die F.C.I. ist ein internationaler Dachverband. Innerhalb dieses Verbandes gibt es verschiedene Vereine, wobei pro Land nur ein Verein Mitglied der F.C.I. werden darf. In Deutschland beispielsweise ist dies der VDH (Verband für das Deutsche Hundewesen). Die Zuchtstatuten des VDH müssen denen der F.C.I. entsprechen. Ob sie’s tun, ist streitbar, denn in jedem anderen Land (außer Deutschland) gilt der Grundsatz: Welpen aus Elterntiere mit F.C.I.-Ahnentafel erhalten eine F.C.I.-Ahnentafel.

Doch das ist in Deutschland eben anders. Hier müssen verschiedene Regeln und Bestimmungen eingehalten werden. Die F.C.I. greift hier nicht ein, sondern überläßt alles Handeln dem jeweiligen Verein, in Deutschland also dem VDH. Im Klartext heißt dies: Entweder man unterwirft sich in Deutschland den Bestimmungen des VDH bzw. dessen Vereine oder man bekommt keine F.C.I.-Ahnentafeln für seinen Wurf ausgestellt.

Das alles wäre gar nicht schlimm, wenn der VDH überhaupt ein Zuchtbuch führen würde, wie es andere Länder tun. Doch das Zuchtbuch führt der VDH nur für die Rassen, für welche kein eigener, zuchtbuchführender Verein existiert.

Nehmen wir als Beispiel einen Welpen der Rasse “English Cocker-Spaniel”.

Ein Cocker-Spaniel-Welpe beispielsweise, der in den Niederlanden gezüchtet wird, erhält nicht etwa Papiere des Niederländischen Spanielklubs, sondern er bekommt eine Ahnentafel des Niederländischen Zuchtvereins, dem “Raad van Beheer op Kynologisch Gebied in Nederland”, der wiederum das alleinige niederländische Mitglied in der F.C.I. ist. Und der Pudel, der in den Niederlanden gezüchtet wurde, bekommt ebenso eine Ahnentafel dieses Raad van Beheer. Alle Hunde der F.C.I.-Züchter in den Niederlanden werden also in das Niederländische Hundestammbuch (N.H.S.B.) eingetragen, welches vom Raad van Beherr geführt wird. Die Ahnentafeln werden vom “Raad van Beheer” ausgestellt und nicht vom jeweiligen Klub innerhalb des Raad van Beheer, der die Rasse betreut, also z. B. vom Nederlandse Spaniel Club. Der Nederlandse Spaniel Club vermittelt Züchteradressen, er organisiert Schauen etc. Wer z. B. in diese Züchterliste möchte oder wer seine Welpen über den NSC vermittelt haben möchte, der muß bei den Elterntieren verschiedene, gesundheitliche Prüfungen durchführen bzw. müssen die Elterntiere einen Formwert vorweisen.

Ein Cocker-Spaniel-Welpe, der in Deutschland gezüchtet wird, erhält Papiere eines Vereins, der vom VDH anerkannt ist. Dies kann einer von vielen Vereinen innerhalb des Vereins sein (Jagdspaniel-Klub e.V., Spaniel-Club Deutschland e.V., Cockerclub Deutschland e.V., Verein Jagdgebrauchsspaniel e.V., …), wobei diese Vereine wiederum verschiedene Zuchtbestimmungen haben. Und hier gibt es teilweise große Unterschiede, von Untersuchungen der Elterntiere bis hin zum Mindestalter der Zuchttiere.

Pikant wird es, wenn es um den Einsatz von Deckrüden geht. Was innerhalb der F.C.I. an und für sich klar geregelt ist (Elterntiere müssen F.C.I.-Ahnentafeln haben), ist für VDH-Vereine nicht unbedingt maßgebend. So kann es dann schon ‘mal vorkommen, daß ein Cocker-Spaniel-Züchter im VDH einen in Deutschland im VDH gezüchteten Rüden nicht zur Zucht verwenden darf, weil der Rüde nicht den Zuchtvorgaben seines Vereins entspricht, aber der Züchter darf im Ausland stehende Deckrüden nutzen, sofern diese die Zuchtauflagen des dort zuständigen, die Rasse betreuenden Zuchtvereins erfüllen. Das sind in manchen Ländern … richtig: KEINE Bestimmungen!

Die Problematik ist also die:
Par Definition listet eine Ahnentafel die Ahnen auf.
Eine Ahnentafel hat im Eigentlichen nichts mit der Gesundheit eines Hundes zu tun, sondern ist nur eine Bestätigung dahingehend, WER die Eltern sind. Und genau hieraus ergibt sich die Problematik. Der VDH und seine ihm angeschlossenen Vereine machen die Eintragung von einer Zuchttauglichkeit abhängig und entsprechen so im Eigentlichen nicht der Zuchtordnung der FCI. Diese aber teilte mir auf Anfrage mit, daß sie dies dem VDH überlassen würde. Meines Erachtens eine Farce, denn es kann doch eigentlich nicht sein, daß die FCI Bestimmungen erläßt, der VDH hält sich nicht daran, aber die FCI stört sich daran wiederum nicht. Aber genau hier besteht nun einmal das Schlupfloch für den VDH.

Da frage ich mich: Gibt es Menschen, die in ihr Familienstammbuch gleich auch alle Krankheiten ihrer Vorfahren eintragen? Wohl kaum …
Und bedeutet das Vorgehen des VDH, daß wir in Deutschland gesündere Hunde haben als im Ausland? Davon ist mir nichts bekannt!? Es kann wohl kein Züchter die Behauptung aufstellen, daß Hunde, die in anderen FCI-Ländern gezüchtet werden, kranker sind als die hiesigen.

Und was das ewige Gedöns angeht von wegen “Dissidenz”, dieses Wort, was soviele in den Mund nehmen, aber oft nicht einmal schreiben können (ich mußte schon “Desidenz” lesen usw.), nachfolgend einmal ein paar Erklärungen dazu, damit manche vielleicht endlich einmal wissen, wovon sie überhaupt reden bzw. schreiben.

Dissidenz, von Dissident kommend

Der Begriff Dissident (von lat. dissidere „nicht übereinstimmen, getrennt sein, widersprechen“) bezeichnet einen Abweichler, einen anders Denkenden.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Dissident

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Der Begriff der Dissidenz war die längste Zeit reserviert für die Verwahrung gegenüber den ehemaligen Diktaturen des “real existierenden Sozialismus”. Die semantische Besetzung suggerierte, es gäbe in der kapitalistischen “anything goes-Welt” keinen Grund zum Widerspruch, kein Leiden an der Wirklichkeit, keinen Wunsch nach dem Möglichen.
Quelle: http://www.lernzeit.de/sendung.phtml?detail=474768

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“Dissidenz” ist heute auch die Bezeichnung für Mitglieder von Hundevereinen, die nicht dem VDH angehören. Was also die “ehrwürdigen” Mitglieder des alles beherrschen wollenden VDH’s so abfällig bemerken, ist nichts anderes als eine Bezeichnung aus alten Zeiten, als sich im 3. Reich alle bestehenden Verbände (außer dem “Deutschen Kartell für Hundewesen”, welches in “Reichsverband für das Dt. Hundewesen” umbenannt wurde) aufzulösen hatten und die Gelder beschlagnahmt wurden. Die Verbände, die sich nicht dem Nazi-Regime unterwerfen wollten, waren “Dissidenten”.

Und wem die Geschichte des VDH nicht bekannt ist, dann auch noch gerne das:

Am 26. April 1879 wurde in Hannover der älteste Verband in Deutschland gegründet, die “Delegierten-Commission für das deutsche Hundestammbuch”, die auch ab 1880 jährlich das “Deutsche Hundestammbuch” für alle Rassen herausgab.

Gründungsmitglieder waren:

– Verein zur Veredelung der Hunderassen in Deutschland
– Verein Hector
– Klub zur Prüfung der Hühnerhunde
– Norddeutscher Hetzklub
– Verein Nimrod

Am 16. Juli 1906 wurde ein weiterer Dachverband in Deutschland gegründet: Das “Deutsche Kartell für Hundewesen”, welcher sich in der Zeit bis 1933 als 2. Dachverband in Deutschland etablierte und dessen Zahl der angeschlossenen Vereine größer war als die der Delegierten-Commission.

Nach der Machtergreifung Hitlers 1933 wurde das “Deutsche Kartell für Hundewesen” umbenannt in “Reichsverband für das Deutsche Hundewesen”. Alle bislang bestehenden Dachverbände hatten sich aufzulösen und in den Reichsverband einzuordnen, alle Vereine mussten sich fortan “Fachschaften” nennen.

Gegen diesen “Gleichschaltungsbeschluss” rebellierten bzw. widersetzten sich diverse Vereine und wurden recht abfällig als “Dissidenz” bezeichnet und aufgelöst und sogar verboten. Kynologisches Aktenmatieral und Vermögen wurden beschlagnahmt und sicher gestellt.

Während der Nazi-Diktatur wurde der “Reichsverband für das Deutsche Hundewesen” in “Reichsverband für Hundewesen” umbenannt. Ab dem 01.04.1943 hatten alle anderen Zeitschriften ihr Erscheinen einzustellen, statt dessen gab es nur noch die Verbandszeitschrift “Der Hund” vom Reichsverband für Hundewesen.

Mit dem Fall / Untergang des “Dritten Reiches” hatte sich der “Reichsverband für Hundewesen” und alle seine Fachschaften auf alliierten Beschluss hin aufzulösen, Stichtag 1. Januar 1946. Der Reichsverband wurde wieder umbenannt in “Kartell für das Deutsche Hundewesen” und noch vor der Gründung eines neuen deutschen Staates wurde am 11. Juni 1949 in der amerikanischen Besatzungszone in München der “Verband für das Deutsche Hundewesen” (VDH) gegründet.

Der VDH behauptet von sich selbst, daß er bereits im Jahre 1906 gegründet wurde, was man (in Hinblick auf die Mitwirkung beim Verbot der anderen Vereine) nicht unbedingt als rühmlich betrachten muß, aber sei’s drum …