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Welpentest?

In den letzten Monaten haben mich einige Welpeninteressenten in großes Erstaunen versetzt.

Zum einen sind da die selbsternannten Fachleute, die irgendwann einmal im TV Herrn Rütter bei der Auswahl eines Welpen beobachtet haben, um ihm nun eifrig nachzutun, was bei einem “Experten” wohl als “Welpentest” bezeichnet wird. Bevor ich als Züchter, der ich ganztags mit meinen Babies zusammen unter einem Dach lebe, nach dem Wesen des jeweiligen Welpen gefragt werde, wird der Welpe auf den Rücken gedreht, womit geprüft werden soll, ob es sich um ein dominantes Tier handelt.
Ich frage mich, ob diese Typen gleich noch die neue Wanne in ihr Bad einbauen, weil sie auf ihrem Lieblingssender RTL so eine “Zahlt-nix-wir-kommen-und-renovieren-Euch-Euer-Haus”-Sendung verfolgt haben?

Äußerst interessant finde ich auch die Spezies, die sich damit brüstet, schon seit über 20 Jahren Cocker zu halten. Keine Frage, es ist toll, “echte” Cockerfreunde hier zu haben und gemeinsam über unsere Lieblingsrasse zu fachsimpeln. Aber wenn ich beispielsweise erkläre, wie unsere Welpen gefüttert werden, um bei einer abwinkenden Handbewegung schon fast arrogant angeraunt zu werden, man hätte “20 Jahre Erfahrung”, dann brennt es mir schon ab und an auf der Zunge, daß 20 Jahre etwas zu tun nicht wirklich heißt, es auch richtig zu tun, wobei zudem davon auszugehen ist, daß sich die Anzahl der gehaltenen Hunde bei 20 Jahren Hundehaltung meist auf ganze zwei Hunde beschränkt.
Der Vergleich zu meinem Onkel, der sich stets als “40 Jahre unfallfreier Fahrer” bezeichnete, aber zu dem aufgrund seiner unsicheren Fahrweise niemand ins Auto stieg, liegt dann doch sehr nahe.

Denjenigen, die mir voller Inbrunst erklärten, daß ein Tierarzt seinen Job aus Berufung tut, Hundezüchter aber nur Geld verdienen möchten, denen habe ich besonders gerne die Türe aufgehalten, damit sie mein Heim verlassen!

Bemerkenswert finde ich auch die Leute, die meinen, wir hätten hier einen Zuchtbetrieb, den man sich nach Belieben anschauen könnte. Nach einer kleinen Sonntagstour durch niederbayerische Hundezwinger noch schnell bei den Friedl’s vorbeifahren, um die eingesammelten Krankheitsviren hier zu verteilen? Gott schütze uns vor den Zwingertouris!
Unser Highlight des Jahres war die Familie, die uns beim Verlassen unseres Grundstücks wissen ließ, daß sie gar nicht geplant hätten, einen Welpen zu kaufen, sondern “nur ‘mal einen Sonntagsausflug zum Hundezüchter mit den Kindern haben machen wollen”. Klar, der Besuch im Zoo, Versorgung mit Limonade und Kaffe plus verbaler Unterhaltung wäre sicher teurer gekommen!

Ganz zu schweigen von Personen, die anscheinend schon mit der Boeing durch die Kinderstube geflogen sind. Da werden Termine vereinbart und nicht eingehalten, nicht einmal eine telefonische Absage erfolgt. Da kommt eine vierköpfige Familie, läßt sich hier bewirten und DREI STUNDEN lang über Cocker-Spaniels aufklären, um sich danach nicht mehr zu melden. Da läßt sich der Herr Handwerksmeister einen Hund über Wochen reservieren, um dann festzustellen, daß er nicht den finanziellen Background und die persönlichen Voraussetzungen hat, um dem Welpen ein gutes Zuhause zu geben.

Manche Zeitgenossen verstehen es wirklich ganz hervorragend, einem das eigene Hobby zu vermiesen, sodaß man Züchterkollegen schon verstehen kann, die darüber nachdenken, Eintrittsgeld zu verlangen oder bei einem Fernbleiben trotz Terminabsprache einen Betrag X in Rechnung stellen möchten, ebenso wie Beratungskosten.

Wer nicht weiß, daß wir unsere Besucher in unser Heim einladen, wer nicht seinen vollständigen Namen, Anschrift und Telefonnummer nennen mag, wer unseren Welpen kein zuverlässiges, verantwortungsbewußtes, solventes Zuhause bieten kann, wer hofiert werden möchte, damit er einen Welpen kauft, wer unsere Welpen mittels dubioser Welpentests prüfen will oder unsere erwachsenen Hunde erziehen möchte, der möchte uns bitte mit einem Anruf oder Besuch verschonen!

Diejenigen, die über ein gewisses Maß an Anstand verfügen, die wissen, daß sie bei uns einen verantwortungsbewußt und liebevoll aufgezogenen Welpen aus Hausaufzucht erhalten, der nicht “für lau” abgegeben wird, Leute, die wissen, daß sie, nachdem sie in unser privates Reich eingeladen wurden, gastfreundlich empfangen werden, um unsere Hunde und uns kennenzulernen, die sind herzlich Willkommen! Und auf diese Menschen freuen wir uns.